Paul Wolff

Paul Wolff, 1887-1951, war einer der Pioniere der Kleinbildfotografie. Die
Firma Ernst Leitz würdigt seine Lebensleistung 1936 mit der 200.000sten
Leica.

Schon mit Zwölf fotografiert er mit einer Plattenkamera. Doch studiert er
nach dem Schulabschluss zunächst Medizin, habilitiert sich 1914 in Straßburg,
wird Assistenzarzt und 1914 zum Kriegsdienst einberufen. Nach dem Ersten
Weltkrieg muss er Straßburg, das 1919 wieder zu Frankreich gehört, verlassen.
Er siedelt nach Frankfurt am Main um. Dort arbeitet er zunächst im Kopierwerk
eines notorisch finanzschwachen Filmproduzenten. Mit der eigens erworbenen
Filmkamera beginnt er mit Arbeiten für die Filmfirma. Alsbald macht er sich
selbstständig.

Paul Wolff wechselt vom bewegten Bild wieder zur Fotografie. Er arbeitet mit
einer Plattenkamera im Format 18 × 24 cm, und er hat reichlich Aufträge. Im
Jahr 1926 gewinnt er auf der Internationalen Fotoausstellung in Frankfurt seine
erste Leica: Sie soll sein weiteres Leben nachhaltig beeinflussen. Erst knipst er
nach getaner Arbeit - an der Großbildkamera - mit der Leica nebenbei. In Gas-
sen, auf Märkten, am Wege beobachtet er den Alltag der Leute. Er arbeitet hart
an seiner Technik. Bald erregt er mit seinen lebendigen Kleinbildfotos Aufsehen
bei den Gazetten. Sein dynamischer Stil entfesselt die Kleinbildkamera. Das ‚Neue
Sehen‘ ist geboren.

1927 sucht er den idealen Mitarbeiter und findet ihn in seinem Geschäftspartner.
Mit Alfred Tritschler gründet er in Frankfurt am Main die Firma Wolff & Tritschler.
Sein persönlicher Durchbruch als Fotograf gelingt ihm 1933 - im Schicksalsjahr der
Weimarer Republik: Leitz bestellt bei ihm für die Ausstellung Die Kamera 100 Ver-
grösserungen im Format 40 x 60 cm. Sie gehen damals als Wanderausstellung um
die Welt. 1934 erscheint Meine Erfahrungen mit der Leica. Übersetzt in gleich vier
Sprachen wird das Fotobuch schnell ein Meilenstein in der Geschichte der Kleinbild-
Fotografie.

In dem Jahr macht Paul Wolff eine Reise in das Saargebiet. Ergebnis: packende
Aufnahmen vom Alltagsleben der Saarländer und ihren Industrieanlagen und
Landschaften. Im Jahr 1936 bannen Paul Wolff und Alfred Tritschler die Olympi-
ade atemlos ins Lichtbild. Was ich bei den Olympischen Spielen 1936 sah wird ein
Hit.

1940 gibt Paul Wolff den ersten deutschen Industriebildband in Farbe heraus. Im
Kraftfeld von Rüsselsheim 
startet in einer Auflage von 50.000 Exemplaren; im
gleichen Jahr publiziert er die Erstausgabe von Meine Erfahrungen mit der Leica
- farbig
. 1944 wird sein Haus in Frankfurt durch einen Bombenangriff zerstört. Große
Teile seines Plattenbildarchivs fallen den Bomben zum Opfer. Nur das ausgelagerte
Kleinbildarchiv bleibt erhalten. Im Institut für Stadtgeschichte wird eine Sammlung
der Fotografien von 1927 bis 1943 und jener im Kriegsjahr 1944 zerstörten Altstadt
bewahrt.

Text: Klaus Kleinschmidt

Die entfesselte Kamera

front
front
front
front

Newsletter abonnieren

Wann darf ich Sie anrufen?

Ihre Bestellung

Kleinschmidt auf Facebook

Wir informieren Sie regelmässig über Events, Ausstellungen und Neuigkeiten zu unseren Künstlern.