WIESBADEN BASED PRIVATE ROOMS | RARE OR UNIQUE

CONTEMPORARY AND CLASSIC MODERN MASTERPRINTS WORKS ON PAPER

Abbildung: Paul Almasy | Warten vor dem Restaurant [...], Paris 1957 | limitierter + signierter Masterprint, Format 30,5 x 40,6 cm (Blatt)

LOVE LOVE LOVE - HELLO PAUL ALMASY [1906-2003] | 15. monografische Werkschau

Das erste Rendezvous mit der oder dem Geliebten ist in der Regel mit dem Zauber des Anfangs verbunden. Das Paar hütet sein Geheimnis tunlichst für sich. Seiner Magie dicht auf den Fersen folgt mitunter ein Publizist, der dem Geist der Aufklärung verpflichtet ist. Wenn der Sinn der Kunst, das, was also ihr Wesen ausmacht, per Definition darin besteht, verborgene oder gar versteckte Dinge, für jeden Betrachter, den sie darum etwas angehen, sichtbar zu machen, dann ist Paul Almasy, der zeitlebens nie ein Künstler sein wollte, sogar ein Künstler im besten Wortsinn. Der Fotoreporter jedenfalls hat den Status des Künstlers für sein Lebenswerk nie gelten lassen. Im Gegenteil hat er dies stets vehement verneint. Er verstand sich als ein bloß der Information dienlicher Aufklärer - ein Zeitzeuge eben. Seine Zunft war die Presse. So sorgten dann die weltweit erste Ausstellung und der erste Bildband über ihn aus dem Stand heraus gleich für zwei Premieren mit Aplomb: "Paul Almasy - Zaungast der Zeitgeschichte".

Ein Galerist aus Wiesbaden hat in den bisher drei Dekaden seiner Tätigkeit von der Landeshauptstadt in Hessen aus etwa 75 monografische Austellungen weltweit allein über Paul Almasy als Kurator auf den Weg gebracht und gezeigt - darunter umfassende Schauen in Häusern wie etwa die frühe im Alpenverein München auf der Isarinsel mit 100 Werken und in Museen wie dem MMK um die Jahrtausendwende mit ebenso vielen kurz danach oder die in der Deutschen Börse in Frankfurt und im Willy-Brandt-Haus in Berlin mit 200 Werken. Ein seltener Höhepunkt war gewiß die überragende Retrospektive im Museum Ernst in Budapest, die Almasy neben Capa und Moholy-Nagy als einen ihrer größten Talente im damals ausgehenden Jahrhundert adelt. Und da gab es jene Werkschauen mit 200 Werken fast vor der Haustür, in den Opel-Villen Rüsselsheim oder etwa auf den Fototagen in Herten, aber eben auch nicht wenige - circa 25 an der Zahl - just dort in den eigenen Schauräumen der Galerie. Das große Parkett aber fand Paul Almasy oft auf Messen wie der Art Cologne oder Photo London oder der Paris Photo oder auf der KIAF in Seoul oder der Art Hongkong, als der Stadtstaat noch frei war. In dem ganz unvergleichlichen Lebenswerk des berühmten Fotoreporters aus Ungarn, das sich auch für den Laien sofort am Format erkennbar in sein Frühwerk und sein Hauptwerk teilt, dem die Nachwelt darum nicht weniger als 600 Werke verdankt, bildet das Thema der Liebe den Fokus und den Rahmen seiner Sicht auf die Welt. Das wohl bekannteste Werk von Paul Almasy aus dem Sujet zeigt ein Paar mittags in einem lichten Hausflur im Paris des Jahres 1948.

Das Luzide darin rührt aber von der Liebe her, die das Bild so lebensnah warm verströmt - ein Schnappschuss gleichsam als Ikone aus kalter Nachkriegszeit. Und in der Tat hat Paul Almasy, unser Globetrotter mit Grandezza, auf allen seinen Weltreisen in über sieben Dekaden und auf allen Kontinenten der Welt die Liebe als die große Kraft, als den bindenden Kitt unserer zunehmend diversen Gesellschaften erkannt, die alle Menschen, egal welcher Herkunft und Nation, ubiquitär eint. Sie bildet den Zusammenhalt. Dies Credo hat er mit jedem seiner Werke, die bis heute Bestand haben, der Nachwelt hinterlassen. Unsere Abbildung zeigt eine Wartende im Jahr 1957 in Paris. Das feine Mienenspiel um den Mund und die Augen im Gesicht der jungen Frau verrät vage Erwartung. Ihr Blick richtet sich leer nach Innen aus. Sind ihre Gedanken bei der Verabredung? Eine vierte Person im Bild fehlt indes kaum übersehbar. Almasy hat Wartende wie kein anderer studiert. Der 'Elefant im Bildraum', der unsichtbar Sichtbare, ist da der Fotograf. Er büßt galant die Lücke. Füllt sie. So wird er in der Situation für eine Viertel Sekunde lang zum Ersatzobjekt der Verabredung. Zwar als Person kaum je erwartet, dafür aber sehr wohl registriert, ist es bei der Frau just das Momentum, in dem ein ihr unbewußter Ausdruck ins Gesicht, ein Sehnen, ein Warten in ihr Bewußtsein huscht. Die Verabredung mag am Ende geglückt sein - ein 'Warten auf Godot' muss das nicht gewesen sein. Aber wer weiß das schon? Die Zeit ist perdu.

Copyright [Text] und Courtesy [Bild]: Paul Almasy and Kleinschmidt Fine Photographs

Abbildung: Paul Wolff - Eier und Sieb (1933) | Vintage Silber Gelatine Abzug 22,0 x 16,3 cm

Die entfesselte Kamera - Tanz der Eier um ein Siebrund von DASTRA

Paul Wolff [1887-1951] verdanken wir die Entfesselung der Kamera, indem er selbige vom Stativ befreit hat. Die Leica von Oskar Barnack machte kurz zuvor Bilder vom wirklichen Leben möglich. Das barg auch politische Sprengkraft. Zumal Ende der goldenen Zwanziger, die gar nicht so gülden waren mit weltweit dräuender Wirtschaftkrise und dem nahen Ende der Weimarer Republik. Die Welt war im Aufbruch. Bewegt war sie - und sie geriet aus den Fugen. Alle Statik war perdu. Die Technik wälzte den Alltag so vieler Menschen radikal um: Automobil, Aeroplan, Bomben, Raketen, Rundfunk, Telefon, Telegramm und Zeppelin - Masse wie Mensch schwelgten im unerhörten Temporausch, der sich in rasender Dynamik der Epoche Bahn brach und entlud. Mitten drin dabei damals Dr. Paul Wolff, der als Mediziner habilitiert wird und als Reporter landet.

Oskar Barnack sei Dank, dem genialen Erfinder der ersten Kleinbildkamera, der sogenannten Urleica, konnte dieser Paul Wolff so ab 1926 mit leichtem Gepäck reisen, darin seine in einem Wettbewerb gewonnene Leica, und fortan auch ganz unbeschwert seinen Blick auf die Welt im Umbruch schärfen, ja sogar werfen - ebenso schnell wie spontan. Das Geschenk der Ernst Leitz GmbH an den Pionier war sein Eintritt in die Welt. Der Messsucher dieser Leica war dank Parallaxe präzis und schnell. Ohne lange umständlich seine Schärfe finden zu müssen, konnte unser Reporter sein Objekt der Begierde im Bruchteil einer Sekunde erst ins Auge fassen, dann im Nu ins Bild setzen. Die Kamera war jetzt entfesselt. Dieser Stil blieb prägend für die ganze Moderne. Der Einfluss von Paul Wolff seitdem auf die moderne Kleinbild-Fotografie ist groß. Das Sonderbare galt als das Wunderbare im Werk bei Paul Wolff. Das Wunder sucht das Profane, damit es sich zeigen kann. Seine Haltung bewahrt er sich zeitlebens: ein Staunen. Und dies Staunen blieb immer sein 'Tor' zur Welt. Naiv? Wohl kaum.

Aber Paul Wolff konnte auch genau das Gegenteil mit der kleinen Leica und der 50 mm Brennweite tun. Er konnte das Entfesselte, das Leben wie das Licht, zum Bild verdichten, mithin im poetischen Stillleben fassen, das so an Stringenz in der Komposition und an Kontemplation bis heute kaum mehr je erreicht wird: Zwei Eier etwa, das Leben selbst also, und ein Sieb, beide im Schein der Sonne. Die Dinge wirken nicht nur real. Eher surreal, nicht banal, fast teuflich ermächtigt. Sie zeichnen sich vor der Maserung eines Küchentischs ab. Eine Welt der Formen tut sich da auf. Zwei Ovale tanzen um ein Siebrund von DASTRA im Anschnitt. Der Teil steht für das Ganze. Damit hat der Großmeister der Entfesselung das Entfesselte im Augenblick gerinnen lassen. Zwei Eier und ein Sieb, wir schreiben das Jahr 1933, leuchten wie von Innen aus sich heraus. Hyperreal erstarren diese zur Ikone einer Epoche, die auf einem engen Küchentisch Platz hat. Das Weltgefüge weicht kurz der Welt im Kleinen: im Eiertanz um ein Rührsieb.

Wo viel Licht ist, fallen die Schatten tief. Davon erzählt diese Fotografie, die eine Neuerwerbung aus dem Schicksaljahr 1933 ist. Dabei handelt es sich definitiv um ein Schlüsselwerk des Fotografen, das hellsichtig, fast dämonisch luziferisch, ist. Einige Originale Paul Wolffs, dem Frankfurt stets seine Wahlheimat war, sind nun - ein Säkulum später - in Hessen zurück.

Copyright Bild: Paul Wolff | Copyright Text: Klaus Kleinschmidt | Courtesy: Kleinschmidt Fine Photographs and the artist

Bis 19. Dezember 2025 mit der Ausstellung: Hello Paul Almasy - Love Love Love [Some iconic Photographs]

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