Rediscovery Jan Wenzel - Allegorien im Zeichen der Sterne

Über dreißig Jahre ist es inzwischen her, dass - bei einer Schaffenszeit von nur knapp 20 Jahren - ein Gesamtwerk entstand, das bis heute in der Geschichte der Fotografie und der Fotokunst weltweit eine Ausnahme blieb. Die Rede ist von Jan Wenzel, Jahrgang 1972, dessen Werk nicht nur in der Machart (techne), sondern in jeder Hinsicht einzigartig ist. Das Wort 'einzigartig' ist im Wortsinn gebraucht. Zumal es sich bei seinem Gesamtwerk ohnehin stets um Unikate handelt, die konspirativ im Photomaton zur Welt kamen, um mit dem Künstler auf der Spurensuche nach der verlorenen Zeit den Zeitsinn selbst im synchronen Bildraum zu vereiteln. Wie macht er das? Wenzel hebt die Zeit als diachrone Abfolge der im Prozess jeweils 7 Sekunden benötigenden 4 Passbilder eines Streifens durch Montage mehrerer Streifen parallel in einen zwar für das Einzelbild der Aufnahme tatsächlich physisch ereigneten, in seiner Gänze des Werkes aber eben nur zum Schein synchronen Bildraum und somit selbige Zeit der Narration als pure Fiktion auf. Seine Werke sollten so als kristalline Monaden - als Zeitkapseln - wegen ihrer immens 'taktsicher' gekonnten Raserei und ihrer kaum glaubhaft präzisen stoischen Schönheit überdauern. Dreißig Jahre Abstand haben jetzt den Markt sondiert. Soweit bildet und bietet diese aktuell wie schon weiland um so mehr luzide Wenzel-Schau seltene Einblicke in den Abgrund einer ebenso persönlichen wie politischen Zeitenwende - und in das rare Schaffen eines absoluten Ausnahme-Talents, das in der Fotokunst fraglos ohne Vergleich dasteht. Auch das Wort 'absolut' ist da im Wortsinn gemeint. Sein Werk ist in sich hermetisch geschlossen. Es bildet und wölbt seinen eigenen Horizont als Urkosmos genuin ab. Allenfalls lassen sich ikonographisch Parallelen - etwa zu der Malerei eines Neo Rauch oder Matthias Weischer - ziehen. Die damals in einer frühen Werkschau im Jahr 1998 für einmal kurz vereinten Werke - die 12 Sternzeichen als Allegorien - sind auf dem Sekundärmarkt längst heiß begehrt. Nun ist das Dutzend, fast, vollständig zur Wiederentdeckung versammelt. Zwei Frühwerke aus den Jahren 1992 und 1993 runden das meisterliche Kabinett ab. Die 13 Kleinformate sind sich selbst genug. In sich schlüssig stellen sie Solitäre dar. Daß es Meisterwerke sind, versteht sich dabei fast von selbst. Man kommt also nicht umhin: Man muss das Werk bewundern. [Termine zum Besuch der Kabinett-Ausstellung und nach Vereinbarung.]

Copyright Text: Klaus Kleinschmidt