feminize photography - women behind the camera [vintage] | From Biermann to Werres

AENNE BIERMANN, ILSE BING, ELSA THIEMANN, LENI WERRES: Was haben diese vier Frauen im Blick? Was eint die Biermann mit der Bing, die Thiemann mit der Werres? Deren Auge nimmt und fragt doch. Ob bewusstes Rätselbild oder versteckte Botschaft, ihre Photographien regen zum Nachdenken an. Starke Kontraste, fließende Formen ziehen uns in ihren Bann. Wie eine Spirale, die ihre Schatten voraus wirft, gehen die Bilder ins Zentrum: Photographie als Windung.

Erst auf den zweiten Blick ist ein Schneebesen zu erkennen. Elsa Thiemann etwa spielt in ihren Photographien mit der Perspektive. Profane Objekte wie Kekse, Rotkohl oder ein Stapel Holz wirken plötzlich fremd. Ihre Detailstudien überzeugen durch kühne Komposition. In ihren Rätselbildern betont die Bauhaus-Schülerin gern die Oberflächenstruktur ihres Motivs, indem sie den Bildausschnitt reduziert. Beeinflusst wurde Elsa Thiemann dabei stark von Zeitströmungen wie der Neuen Sachlichkeit und dem Neuen Sehen, die eine an der Objektivtät geschulten Bildsprache suchten.

Auch Ilse Bing war Teil dieser Strömung. Die „Königin der Leica“ gilt als Pionierin der modernen Photographie. Ihre Arbeiten prägten den Photojournalismus. Sie sah Schönheit in Dingen, die andere nicht mal achteten. Doch genauso ahnt sie später hellsichtig Gefahr, die viele nicht sehen wollten. Sie floh 1933 vor den Nazis nach Paris. Ilse Bing liebte die Naturwissenschaft, vor allem Mathematik und Physik. Durch starke Diagonalen und klare Texturen erschuf sie in ihren Bildern eine Atmosphäre von Isolation und Ruhe. Mit ihren Photographien für Gazetten, Zeitungen und Werbung wurde sie berühmt.

Aenne Biermann war gerade Mutter geworden, als sie mit dem Photographieren anfing. Die Phototechnik brachte sie sich selbst bei. Anfangs blieben ihre Arbeiten privat, sie machte Porträts ihrer Familie. Doch schnell wuchs ihr Interesse an der Naturwissenschaft. Sie widmete sich den Strukturen, der Vielfalt der pflanzlichen Texturen. Ihre Intension war, das Ungewöhnliche in alltäglichen Gegenständen zu sehen. Damit sollte der Betrachter sensibilisiert werden. Die Zumutung des Neuen Sehens, sich von alter Komposition zu lösen, die Motive realistisch und univerell abzubilden, finden sich in Aenne Biermanns Werk wieder.

Leni Werres warf ihre Blicke zeitlebens in amöne Landschaft. Sie ist eine bislang unbekannte Zeitgenössin von Heinrich Kühn. Ein Dorf im romantischen Sonnenschein des Hier und Jetzt oder eine kleine Kapelle im Schnee – Leni Werres nutze stets das natürliche Licht, um für ein letztes Mal jene Aura zu beschwören, die mit der Moderne seit Walter Benjamin verloren geglaubt. Ihre Photographien strahlen eine ungehörte Stille, Friedlichkeit, Melancholie aus. Sie malte mit dem Licht.

Was bei Aenne Biermann das universal Private meint, ist so bei Ilse Bing der Blick über die Köpfe in die Luft. Wo Elsa Thiemann die Verrätselung sucht, findet Leni Werres das Zeitlose einer Landschaft oder eines Naturstücks. In allen Fällen der Werkschau gilt: das Glück ein Blick, hier einer, der weiblich ist.

In der Ausstellung „feminize photography – women behind the camera“ zeigt Kleinschmidt Fine Photographs vom 27. Februar bis zum 08. Mai 2015 am Kurpark in Wiesbaden vier wichtige Positionen Photographie der Moderne in Vintage Qualität.

Text: Galerie