Nikolas Tantsoukes - Wir Kunstexperten! [Papiercollagen] - ab 30. Mai 2015!

Ein Blick mit Ironie hinter die Kulissen des Kunstbetriebs: Nikolas Tantsoukes, unser Grieche mit den Scherenhänden, wagt giftige Pointen auf einen Markt, der in seinen Kabalen und Launen, Marotten und Zicken kaum zu toppen ist. Seine Blumen des Bösen haben Stil und entlarven ein seltsam geiles Treiben. Da lotet einer die Abgründe der Eitelkeit in einer nicht immer überall humanen Branche aus. Damit der Betrachter nicht bloß etwa der Illusion eines Zufalls aufsitzt, treibt der Künstler seine Sehübung ohne jedes Barmen in die Serie.

Willkommen zur Ausstellung Wir Kunstexperten! Wir sehen zwei Banausen trunken mit Sektglas, die Kunstversteher, die Expertenrunde ratlos, den Galeristen mit Rohrstock, den Kameramann hellsichtig und den Kunsthändler, den Sammler glücklich. Nikolas Tantsoukes, unser Mann mit der Schere, führt das ganze Personal vor. Seine Karriere startet im Jahr 2006: Der Berliner Künstler garniert damals in 'Crisis - what crisis?' dem Besucher eine Auswahl seiner frechen bis frivolen Collagen - stets Arbeiten auf Papier - und begeistert damit fortan Fachleute wie Kunstkenner mit jeder Ausstellung.

Handwerklich früh perfekt, ist Nikolas Tantsoukes bereits in jungen Jahren ein souveräner Meister dieses so scheinbar 'hoffnungslos' klassischen Genres. So führt er die Tradition großer Collagisten vergangener Jahrzehnte wie zum Beispiel Hannah Höch und Max Ernst in einer zeitgemässen und eben in seiner unverkennbaren Handschrift fort. Das Ergebnis: ein Tantsoukes.

Der 1971 in Augsburg geborene Nikolas Tantsoukes verfügt über eine starke Bildsprache. Diese entführt den Betrachter seiner Werke immer in eine wenig bekannte Welt. Skurril ist sie, düster manchmal und mitunter sogar recht verstörend - auf eine wundersame Weise aber auch sonderbar und schrullig.

Ob künstlich anmutende Naturstücke oder wuchernde Architekturwelten - traumverlorene Illustrationen gedeihen mit der gleichen Leidenschaft und handwerklichen Präzison wie humorvolle Altagsszenen, die mal bissig, skurril, mal kritisch, doch stets trotz aller Entlarvung ohne Bloßstellung äugen.

Personen im Werk von Nikolas Tantsoukes werden gern karikaturhaft dargestellt, haben lange Nasen, schiefe Zähne, tragen Brillen mit dicken Gläsern: Eine Welt abseits der Schönheit und Eitelkeit - trotzdem ist diese Kunstwelt tückischer als auf den ersten Blick scheint - und nicht minder verstörend.

Seine Geschöpfe erleben Irrungen und Wirrungen des gesellschaftlichen Miteinanders - in urbanen Stadtland-schaften genauso, wie in Wald und Flur. Seltsames und Katastrophen werden hier erzählt - auch Albtraumhaftes im Gewand der Idylle. Szenen, denen die Akteure stets optimistisch und mit heiterer Gesinnung begegnen, ohne den Mut zu verlieren, so ausweglos die Situation dem Betrachter auch erscheinen mag. Eine Einstellung, die angesichts der Überfülle des bestürzenden Geschehens erfreut aufatmen lässt.

Nikolas Tantsoukes Architekturen und Landschaften zeigen mit getreuer Vorliebe recht ungewöhnliche Perspektiven: Großstadtszenen mit surrealen Schuhkartonhochhäusern, Brücken, die unter einem prächtigen Kronleuchter quer durch ein Wohnzimmer führen oder Flußlandschaften, die sich quer durch sakrale Räume schlängeln, um diese am Ende zu überfluten. Traumsequenzen und Apokalypse-Visionen, die, trotz ihrer Düsterkeit, stets auch etwas Schrecklich-Schönes haben.

Der Berliner Neo-Expressionist hat sich ganz der analogen Arbeit mit der Papier Collage verschrieben. Sein Material bezieht er aus unzähligen antiquarischen Bildbänden und Magazinen der 30er bis 70er Jahre, die er räubert, und setzt so seine Puzzleteile in tagelanger Lege- und Klebearbeit zusammen - ein Zeitaufwand, der in unserer hektischen Zeit wie Luxus wirkt.

Zweifellos ist Nikolas Tantsoukes als zeitgenössischer Vertreter der Collagekunst unserer Zeit richtungsweisend. Und seine feinen Arbeiten auf Papier beweisen es immer wieder: In unserer digitalisierten Welt, mit all den technischen Möglichkeiten, sind handgefertigte Unikate faszinierender und spannender denn je: Die zarten Unikate aus Papier sind in jedem Fall ein Schatz für die Kunstwelt, den zu bewahren es lohnt.

© Klaus Kleinschmidt