Ilse Bing im Pariser Exil – unheilvolle Ahnung zum Festtag: der 14. Juli 1933

Als Ilse Bing das Bild schoß, ging ihr Blick zum Himmel. Es war der 14. Juli 1933. Das war kurz nach ihrer Emigration aus Deutschland. Während die Menschen in Paris mit Freiheit, Einheit, Brüderlichkeit ihrer Nation in Festlaune gedachten, hatte die 'Königin der Leica', wie sie als Fremde von ihren Nachbarn liebevoll genannt wurde, das – ikonographisch gesehen – von Osten kommende Unwetter hellwach im Blick. Der Wind bläst von dort: geographisch war das Nazi-Deutschland. Im Bild der in der Luft tänzelnden Lampions, zwei Flaggen irrlichtern im Wind, dahinter das Dräuen dunkler Gewitter-Wolken, fand Ilse Bing unbewußt die Metapher einer Epoche, die vom nahenden Elend und Leiden in Europa kündet.

Das Werk, handschriftlich prosaisch notiert mit dem Titel 'Le 14 Juliett Paris 1933', wurde mithin zur Ikone. Daß Ilse Bing im hohen Maße Symbolbewußtsein besaß, bewies sie mit ihren Werken. Zuletzt im Todesjahr 1998, das wie ihr Ge-burtsjahr 1899 lakonisch eine Zahl in der Folge - es war die für Unendlichkeit stehende '8' - ans Ende schob. Das foto-grafische Lebenswerk der Ilse Bing gehört neben jenen der Marianne Breslauer, Aenne Biermann und Gerta Taro zu den Schätzen aus der Pionierzeit der Bildreportage. Der Fotojour-nalismus wäre ohne das Zutun dieser Frankfurterin kaum denkbar und weniger sichtbar. 'Queen of the Leica' hinter-läßt 1998 in New York im Alter von 99 Jahren ein selten dichtes Werk.

zur Ausstellung